Imago-Konzept

Verschiedenes

„Grundgedanke der Imago-Therapie ist, dass unverarbeitete Konflikte und Erlebnisse aus der Kindheit die Beziehungswelt Erwachsener belasten können. „Imago“ ist dabei die tiefen-psychologische Bezeichnung für ein idealisiertes Bild von Personen (besonders von Vater und Mutter, aber auch Geschwistern), das vor allem in der frühen Kindheit unbewusst entsteht und später die Entscheidungen und Handlungen des Erwachsenen beeinflussen kann. […]

Harville Hendrix und Helen Hunt gehen davon aus, dass Menschen für ihre Beziehung oder Ehe unbewusst jenen Menschen wählen, der positive und negative Eigenschaften ähnlich denen der Eltern besitzt. Diese Menschen sind paradoxerweise oft mit genau jenen „negativen“ Merkmalen ausgezeichnet, die man an seiner Imago so verletzend empfunden hat. Dieser Mensch hat wohl gerade durch diese Ebenbildfunktion das Potenzial zu helfen und in der Kindheit erlittene Verletzungen zu heilen.

Die Imago-Beziehungstherapie geht davon aus, dass die Beziehung selber schon eine Art Therapie ist, denn unerlöster und unbewusster Schmerz aus der Kindheit – Verlassen werden, Ablehnung, Unterdrückung, Beschämung, Hilflosigkeit usw. – wiederholen sich in der Beziehung und sind später auch die Ursache für Konflikte zwischen den Partnern. […]

Der Schlüssel zum Verständnis der Quellen, aus denen sich der Machtkampf von Partnern speist, liegt im Gewahrwerden einer ganzen Palette unerfüllter Kindheitsbedürfnisse. Paare, die ihre Partnerschaft durch die Linse der Kindheit betrachten, entdecken oft direkte Parallelen zwischen der Art und Weise, wie sie sich in ihrer Partnerschaft fühlen, und der Art und Weise, wie sie sich als Kinder gefühlt haben. […]

Eine Imago ist aber nicht nur das innere Bild des entgegengesetzten Geschlechts, es ist auch gleichzeitig eine Beschreibung der eigenen oft verleugneten Ich-Anteile, d.h., man sieht den Partner an und kritisiert an ihm all die Verhaltensweisen, die man an sich selbst nicht wahrnehmen will. Hendrix nennt drei Hauptursachen für den Konfliktstoff, der jeden Machtkampf bestimmt: Beim jeweils Anderen die unterdrückten Gefühle zu berühren. Sich gegenseitig wieder die alten Kindheitswunden zu öffnen. Die eigenen, negativen Eigenschaften auf den anderen zu projizieren. Diese Interaktionen bleiben ebenfalls meist vollkommen unbewusst. […]

Ziel der Imago-Therapie ist es, dass Paare lernen, Liebe ohne Bedingungen zu geben und dass jeder dem inneren Kind des Partners der Vater oder die Mutter wird, nach der es sich immer gesehnt hat. Das erfordert als Erstes eine ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit. Es stellen sich Fragen:

  • Wo bin ich verletzt?
  • Welche Bedürfnisse wurden mir nicht erfüllt?
  • Welche Teile meines Selbst leugne oder verdränge ich?
  • Was habe ich für ein inneres Bild von Beziehung?“[1]

Vier wichtige Elemente im Imago-Prozess:

  1. Senden, Spiegeln, Überprüfen
  2. Zusammenfassen (keine Interpretation aus dem eigenen „Rucksack“, da das wieder zu Missverständnissen führen kann)
  3. Gelten lassen (es macht Sinn aus deiner Geschichte, weil..)
  4. Mitfühlen (Ich stelle mir vor, die fühlst dich dabei..)

Möglicher Gesprächsverlauf

Besonderes Setting:

Mann/Frau nehmen sich Auszeit, schauen sich an, berühren sich und je eine Person erzählt etwas und die andere spiegelt. Das Konzept ist aber auch auf andere Gesprächssituationen übertragbar

Klarer Ablauf:

  Beginn mit Wertschätzung füreinander
S: „Ich schätze an dir…“, „Mir hat heute gut getan, dass….“
E: Spiegelt das Gesagte wörtlich wieder: „Du schätzt an mir …“ „Dir hat heute gut getan…“
S: Korrigiert „Du hast schon viel gehört, was mir noch wichtig ist…“ oder bestätigt: „Ja, du hast mich gehört.“
E: Drückt Wertschätzung aus + S spiegelt
S: Einstieg je nach Gesprächsart, z.B. „Ich lade dich in meine Welt ein:“ oder „Was mir weh getan hat, was mich frustriert..:“
E: Spiegelt: „Ich höre du sagst…“
S: Korrigiert oder bestätigt und erzählt weiter
E: Spiegelt: „Ich höre, du sagst…“  Wenn es in die Tiefe geht oder angebracht erscheint, kann E. einen Bezug zur Vergan-genheit/ Kindheit herstellen: „ Erzähl mir woran dich das (aus der Kindheit) erinnert!“
S: Erzählt aus der Kindheit bzw. Anknüpfungspunkte/Assoziationen dazu
E: Spiegelt wieder – jetzt eher inhaltlich zusammenfassend, Kernwörter wiedergebend – gelten lassen/ mitfühlen, kann auch sagen: „Es macht für mich (aus deiner Geschichte) Sinn, weil …“ Wenn es passend ist, kann E auf die „Heilungsebene“ gehen: „Ich verstehe, was du sagst, Was brauchst du von mir, um eine andere Erfahrung machen zu können?“ (Dieser Teil ist nicht immer notwendig, oft reicht das gehört werden)“
S: Schildert unerfüllte Sehnsüchte und Bedürfnisse
E: Spiegelt wieder und geht auf konkrete Lösungsebene: „Was kann ich genau tun, um Dir zu helfen?“
S: Konkrete Bitten – meistens werden drei Bitten formuliert, von denen zwei gut machbar scheinen
E: Sagt, inwiefern er auf die Bitten eingehen kann, z.B. „Ich kann dir Bitte 1 gut erfüllen, Bitte 2 so oft ich kann und Bitte 3 werde ich versuchen, mich zu dehnen, bitte habe Geduld mit mir… „
S+E: Gemeinsames Danken/ Wertschätzen und nonverbaler Abschluss (Umarmung)

Besonderheiten Imago-Dialog

  • IdR eher Monolog mit Spiegelung durch den Partner, d.h. eine Person steht im Mittelpunkt, Empfänger ist bereit, die Welt des Anderen zu besuchen.
  • Möglicher Wechsel dann am nächsten Tag, d.h. Pause zwischen den beiden Monologen.
  • Spiegelung ist eine möglichst wörtliche Wiederholung des Gesagten – Gefühls/Bedürfnis-Ebene wäre aus Imago Interpretation, es geht um Gelten lassen und Mitfühlen
  • Tw. zusammenfassende Spiegelung/ Wiederholung möglich – da Fokus auf Kern-Wörter oder Wiedergabe mit eigenen Wörtern

Ressourcen

  • Hendrix, Harville: Soviel Liebe wie du brauchst, Renate Götz Verlag, 2001 (für Paare)
  • Hendrix, Harville: Ohne Wenn und Aber, Renate Götz Verlag, 2007 (für Singles)
  • Imago Austria, auf http://www.imagoaustria.at/

[1] Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOTHERAPIE/Imago-Therapie.shtml

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