Ganzheitlichkeit und Offenheit – Authentizität

Für Laloux gibt es drei Aspekte einer Teal-Organisation:

  • Purpose
  • Selbstorganisation
  • Ganzheitlichkeit

Was heißt Ganzheitlichkeit?

Dass ich mich als Mensch ganz, möglichst ganz mit allen Licht und Schattenseiten, als ganze, multiple Persönlichkeit einbringe in das Arbeitsleben, nicht nur mein Arbeits-Ich. Also die ganze Person. Das ist alles andere als leicht, weil es ungewöhnlich ist.
Z.B. wenn ich mich auf Xing und LinkedIn bewege und dort politische Posts weiterleite, dann fühle ich mich ständig unwohl, weil es nicht in das offizielle Setting passt. Bei Xing/LinkedIn berichtest du über deine beruflich gefärbten, erfolgreichen Geschichten, nicht Privates oder Politisches.

Trotz Unwohlsein bin ich ganzheitlich und versuche auf verschiedenen Wegen mich so zu zeigen, z.B.

  • GWÖ-Bericht und Nachhaltigkeitsbericht = umfassender Einblick in meine Geschäftstätigkeit inkl. Umsatz/Gewinne und etwas in meine Persönlichkeit
  • Diese und besonders dieser Blog hier mit vielen privaten Themen z.B. mein Singledasein, politische Statements, Glaubensaussagen
  • Zahlreiche Posts auf FB, Xing, LinkedIn und Twitter (Social media) – hier teile ich vor allem Lesefrüchte und Inspirationen für andere. Hier bin ich sehr politisch in dem, was ich teile…

Je ganzheitlicher ich bin, desto angreifbarer werde ich und es kann/wird passieren, dass ich damit Kunden verliere.

  • Wenn ich eine Polyamory-Diplomarbeit auf meiner Homepage habe, kann es sein, dass der katholische Kindergartenverband mich dann plötzlich nicht mehr haben möchte, auch wenn Poly nicht unbedingt mein Lebensstil ist.
  • Wenn ich kritisch über Alt-Kanzler Kurz schreibe, kann es sein, dass eine konservative Bank sich auch dann nicht mehr meldet.

Bei diesen beiden Beispielen kann es sein, dass diese Form von Offenheit abträglich war. Letztendlich weiß ich bei vielen, vielen Beispielen einfach nicht, wie die Menschen darauf reagieren. Und nein, ich bin kein Ganzheitlichkeits-Märtyrer, nur sollte man sich der Konsequenzen bewusst sein.

Der Grad der Ganzheitlichkeit beschreibt die Vielfalt der Themen meiner Persönlichkeit. Worüber schreibe ich hier?

  • Möchte ich hier auch über Sexualität schreiben? Auch wenn ich prinzipiell sex-positiv bin und z.B. das casual-sex-Projekt gut finde, bin ich eher konservativ was Sexualität und Beziehungen anbelangt, vgl. mein Beitrag zur Keuschheit. Also da habe ich sogar schon drüber geschrieben, ups.
  • Religion – das ist in meinem Projekten zu finden und darüber werde ich mehr schreiben, weil es ein berufliches Thema ist, auch wenn man mit dem Glauben aus meiner Sicht kein großes Geld verdienen sollte.
  • Politik – heutzutage muss man ein politischer Mensch sein, sonst geht es nicht. Mutter Erde ächzt und stöhnt unter der Spezies Mensch, die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer, wer da schweigt stimmt zu.
  • Meine Psyche – meine vielen inneren Teammitglieder und Schattenanteile. Da könnte ich noch viel mehr drüber schreiben. Mir taugen diese inneren Dialoge z.B. zwischen meinen Garfield und meinem Antreiber. Bisher findet sich das alles in meinem Tagebuch und sollte ich mal berühmt werden, kann sich mein Biograph durch diese herausfordernden Passagen lesen.
  • Biographische Details – ich finde gerade die Biographie-Arbeit sehr spannend. Im letzten Halbjahr habe ich eine sehr zu empfehlende Hospiz-Ausbildung bei dem Mobilen Hospiz der Buddhistischen Religionsgemeinschaft genossen. Beim vierten Modul hat jeder von uns ca. 20 Minuten seine Biographie erzählt. Das war sehr, sehr spannend und verbindend.

Also der Grad der Ganzheitlichkeit beschreibt, wieviel von meiner Persönlichkeit ich zeige.
Dann gibt es noch den Grad der Offenheit, d.h. wie ehrlich und authentisch bin ich in diesem Bereichen?

Z.B. gibt es das Prinzip der Vertraulichkeit im Kundenkontakt. Über meine Kunden schreibe ich nichts öffentlich, zumindest nicht so, dass sie identifizierbar sind. Da verschweige ich persönliche Details. Zudem ist es ein Unterschied, ob ich über mich berichte oder andere.
Als ich mal ein Kinderfoto von mir und meinem besten Jugendfreund veröffentlichen wollte, meinte mein alter Herr: „Und hast du XY auch gefragt, ob du das darfst? Es gilt das Recht der informellen Selbstbestimmung!“

Das war neu für mich und seitdem bin ich da zurückhaltender und achte dieses Recht, auch wenn ich meinen alten Herrn jetzt nicht um Erlaubnis dieses Zitates gefragt habe J.

Des Weiteren mag ich das  Prinzip der selektiven Authentizität: „Ich muss nicht alles von mir sagen, aber was ich sage, das sollte schon stimmen!“  
Das meint, dass Gedanken, Worte und Taten übereinstimmen und ich nichts Wesentliches weglasse, verschweige oder verändere. d.h. Gedanken, Taten und Worte übereinstimmen.
Gleichzeitig kann ich jederzeit sagen: „Das möchte ich nicht beantworten oder preisgeben. Das ist für mich privat!“

Und dieser Grad der Offenheit ist von Person zu Person unterschiedlich.
Stefan Raab hält sich mit seinem Privatleben sehr zurück und auf der Bühne war er aus meiner Sicht Stefan Raab, also sehr authentisch.
Auch Jürgen Klopp erzählt nicht zu viel von seinem Privatleben. Immer wieder, dass er Christ ist und wie froh er über seine Frau ist, einige kleine Szenen, das wars.
Von Angela Merkels Privatleben weiß ich wenig. Ihr Zittern z.B. wird kaum wirklich aufgeklärt und da scheint sie mir nicht so ehrlich zu sein, wie ich es mir wünschen würde…

Eine groteske Form von Pseudo-Authentizität fand ich in diesem Beitrag: https://derstandard.at/2000105648935/Die-absurde-Hochzeit-Schnitzeljagd-von-zwei-Influencern-die-gar-keine
Zwei Influencer inszenieren eine Schnitzeljagd, die gar nicht so spontan war, wie es erscheint…
Jetzt kommen wir dann an die Grenze von Fake-News und Werbung, die selten ganz wahr ist, sondern nur einzelne Aspekte positiv überhöht…

Das Thema ist vielschichtig und mehr mag ich jetzt nimmer drüber schreiben J.
„Habe fertig, Flasche leer!“ wie ein berühmter Italiener mal gesagt hat.

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